Akupunktur

By | 4. Mai 2017

Die Akupunktur ist eine sehr alte chinesische Behandlungsmethode. Schriftliche Berichte stammen aus dem 2. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Inzwischen belegen allerdings Grabungsfunde, dass diese Methode mindestens 4000 Jahre alt ist. Früher wurde mit Bambussplittern und Steinnadeln akupunktiert. In dieser langen Zeit wurden wesentlich mehr Menschen mit dieser Methode behandelt als mit allen schulmedizinischen Medikamenten der Neuzeit. Die Akupunktur ist eine Erfahrungsmedizin, die durch Beobachtung, Versuch und Irrtum entstand. In der langen Zeit haben sich allein durch die häufige Anwendung und die gezielte Beobachtung die wirksamsten Vorgehensweisen herausgebildet.

Der gedankliche Ansatz, der hinter der Akupunktur steht, ist mit unserer westlichen Denkweise nur schwer zu begreifen. Vereinfachend geht die chinesische Vorstellung davon aus, dass kein Leben ohne eine bestimmte Lebensenergie möglich ist (das bezieht sich auch auf Pflanzen und Tiere). Diese Lebensenergie ist angeboren und „durchflutet“ in regelmässigen Abständen unseren Körper und „lädt ihn dadurch neu auf“. Alle Krankheiten und Beeinträchtigungen sind mit einer Störung dieses Energieflusses verbunden und können oft durch eine Normalisierung deutlich gebessert oder geheilt werden. Diese Lebensenergie durchläuft unseren Körper an bestimmten Bahnen, den sogenannten Meridianen. Auf diesen Meridianen liegen die Akupunkturpunkte, das sind die Stellen, an denen der Energiefluss am besten wieder in Schwung gebracht werden kann. Organbezogene Beschwerden werden oft auch durch Akupunktur an dem Meridian, der über diesem Organ verläuft, behandelt. Es gibt aber für die meisten Akupunkturpunkte auch eine weitergehende Bedeutung – das macht diese Methode so schwierig. Durch die Akupunktur mit der Nadel werden die Akupunkturpunkte stimuliert – die Energie kann wieder besser fliessen.

Wie erlebt man als Patient die Akupunktur ?

Man wird mit mehreren Nadeln, teils an der gleichen Stelle auf beiden Seiten des Körpers, „genadelt“. Dafür verwendet man selbstverständlich sterile Einmalnadeln, eine Infektionsgefahr besteht also nicht. Diese Nadeln sind sehr viel dünner als eine Nadel zum Blutabnehmen oder als eine dünne Nähnadeln, nämlich 0,2 und 0,3 mm dünn. Die zumeist benutzten Nadeln sind an der Oberfläche geglättet und poliert, damit sie die Haut leicht durchstossen. Der Einstich ist nicht eigentlich schmerzhaft, jedoch nicht immer angenehm. An manchen Stellen des Körpers spürt man, wenn die Nadel richtig „sitzt“, einen dumpfen, brennenden Schmerz, der oft nach oben oder unten ausstrahlt. Das kann etwas unangenehm sein, ist aber ein sehr gutes Zeichen. Nachdem die Nadeln stecken, bleiben sie 15 – 20 Minuten in der Haut. Manchmal ist es sehr schmerzhaft, wenn man die Nadel vor der Zeit zu entfernen versucht, sie muss lange genug liegen, damit sie problemlos entfernt werden kann.

In dieser Zeit sollte man sich nur wenig bewegen – das könnte schmerzhaft sein. Vielmehr sollte man sich in dieser Zeit entspannen, an Angenehmes denken – nicht an Hektik oder Stress. Solche Akupunktursitzungen finden unterschiedlich häufig statt – von 1 mal pro Woche bis täglich.

Was können Sie von der Akupunktur erwarten ?

Man kann nicht alle Beschwerden erfolgreich mit Akupunktur behandeln. Ob für Sie eine Behandlung mit Akupunktur sinnvoll und erfolgversprechend ist, kann Ihnen ein erfahrener Akupunkteur mitteilen.

Kontraindikationen, Gegenanzeigen

Es gibt wenige Situationen, in denen nicht, oder nur begrenzt akupunktiert werden darf. Diese Gegenanzeigen kennt ihr Arzt. Stellen sie bitte sicher, dass Ihr Arzt deswegen alle Ihre Krankheiten kennt. Besonders wichtig sind Tumorerkrankungen, Erkrankungen mit Blutungsneigung, psychiatrische Erkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems und manche Infektionskrankheiten.

Nebenwirkungen, Risiken

Häufiger treten winzige Blutungen auf, diese hören aber rasch wieder auf. Sehr selten werden winzige Hautnerven getroffen, was sehr schmerzhaft sein kann. Im extrem seltenen Fall kann es in einem kleinen Bereich um die Akupunkturstelle zu einer anhaltenden Gefühlsstörung kommen, die meist nach längerer Zeit wieder verschwindet. Sehr selten können durch die Nadel einzelne Bakterien der normalen Hautflora mit in die Tiefe genommen, was zu einer kleinen Hauteiterung führen könnte.

Allgemeines

Die Akupunktur ist inzwischen von vielen Schulmedizinern als schwach wirksames Behandlungsverfahren anerkannt. Im Regelfall ist die Wirkung einer einzigen Akupunktursitzung schwächer als die einer Schmerztablette oder die eines Medikamentes gegen Allergien. Allerdings können diese Medikamente auch nicht – anders als die Akupunktur – Beschwerden langfristig bessern.

Die Akupunktur stellt keine Regelleistung der Krankenkassen dar und wird Üblicherweise auch nicht bezuschusst. Zur Zeit dürfen die Krankenkassen auch diese Behandlung nur innerhalb weniger besonderer Krankheitsbilder bezahlen.

Laserakupunktur

Insbesondere dann, wenn der Patient vor Nadeln Angst hat oder zu schmerzhafte Punkte akupunktiert werden müssten, setzt man statt der traditionellen Nadelakupunktur die Behandlung mit einem speziellen Therapielaser ein. Hierbei stimuliert ein meist unsichtbarer Laserstrahl die in der Tiefe der Haut liegenden Akupunkturpunkte. Diese Behandlung ist völlig schmerzlos und nebenwirkungsfrei, allerdings nicht ganz so wirksam wie die Behandlung mit Nadeln. Die Folge ist, dass diese Behandlung häufiger als die Nadelakupunktur durchgeführt werden muss.

Akupressur

Die Stimulation von Akupunkturpunkten mit Fingerdruck nennt man Akupressur. Diese Behandlung kann man als Betroffener selber durchführen, wenn man von einem Fachmann die richtigen Punkte und die korrekte Stimulationstechnik gezeigt bekommt.

Ein Beispiel: bei Kopfschmerzen im Stirn- oder Schläfenbereich kann es sehr hilfreich sein, den folgenden Punkt mit starkem Fingerdruck in kreisenden Bewegungen zu massieren. Den Punkt findet man, indem man vom äusseren Augenwinkel mit dem Finger nach aussen geht, bis man seitlich der Knochenwulst, die die Augenhöhle begrenzt, eine Vertiefung im Gesicht spürt. Dort bewegt man unter Druck die Fingerspitze hin und her, bis man den Punkt gefunden hat, der am meisten schmerzt. Dort massiert man mit sanftem – leicht schmerzendem – Druck etwa 20 Sekunden. Zur Vorbeugung  bei häufigen Kopfschmerzen kann mandas auch regelmäßig 3 mal täglich durchführen.

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